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Von Pokerrunden,  Strippenziehern und Käfer-Rallyes



Es hängt noch immer hoch in den Eichen hinter Haus 2, dort wo man die S-Bahn vorbeirauschen hört.  Das alte Trapez von Pavlo Tzivanakis  hat die Zeiten überdauert. Rund 50 Jahre ist es her, seit der junge Student aus Athen sich von seinem Wohnheimfenster aus  in die Bäume schwang. Und an diesem sonnenverwöhnten Wochenende Anfang Juni 2016 trifft er in Berlin wieder einmal die Mitbewohner, die damals seine Akrobatik bewunderten und heute erstaunt vor dem Trapez stehen, das sachte in der Luft schaukelt - unbeeindruckt von weltbewegenden Ereignissen wie etwa dem Mauerfall.



Im Grunewald ist wieder mal Erinnern angesagt: Mehr als 80 Alt-Eichkamper haben sich versammelt, um die wilden Zeiten im ersten selbstverwalteten Studentenheim Berlins Revue passieren zu lassen. Aber auch, um nachzufragen, wie es den mittlerweile ergrauten Freunden von einst ergangen ist, was sie beschäftigt und wo der eine oder andere abgeblieben ist. Und natürlich können wie bei jedem solcher Treffen manche nicht mehr dabei sein: weil sie krank oder gestorben sind.

Auf den Namensschildern sind die Eichkamp-Zeiten vermerkt. Erkin Özgüç dürfte mit den Aufenthaltsjahren 1957-62 zu den ältesten anwesenden Exbewohnern gehören. Angelika Brandt (67-72) und Ricardo Espinosa (65-72) plaudern lachend unter den Eichen vor dem Clubhaus. Klaus Grabowski bringt auf dem Rasen nicht nur seine Frau Silvia, die er einst hier kennenlernte, zum Lachen, sondern eine ganze lockere Runde. Etliche Paare, die sich dort lieben lernten, sind zu zweit gekommen, aus Freiburg auch Bipin Pant, aus Indien stammend,  und seine badische Frau Inge. Oder Bärbel und Georg Ostwald, die mit einer vom gleichen Flur zusammensitzen: Harriet Hauptmann erzählt von den abenteuerlichen Pokerrunden damals.

Conny Albrecht, der Chef des Berliner Organisationskomitees mit Eckhart Bauer, Paul Janositz und Uwe Mohrmann,  ölt seine strapazierte Rundfunkstimme mit einem Bierchen: Berliner Pilsner wird ausgeschenkt, aber international wie dieses Wohnheim heute noch ist, gibt es auch Tyskie aus Polen. Michael Meyer, der mit seiner Frau aus Mexiko gekommen ist, hatte die weiteste Anreise. Prominentester Berliner Teilnehmer ist Rolf  Kreibich, bundesweit erster Universitätspräsident aus dem akademischen Mittelbau, der die FU von 1969 bis 1976 durch stürmische Zeiten führte.  
Eren Sagay aus Istanbul (falls der Globetrotter mal daheim ist) kommt im Guatemala-Folklorehemd. Auf seinem Handy zeigt der treue Berlin-Besucher alte Eichkamp-Bilder. Schwarzweiß sind auch die Fotos im Album von Ronald Schwarz. Sie dokumentieren die legendären Eichkamp-Rallyes mit Käfern, Enten und Quizfragen bei der Schnitzeljagd.  Das Wetter im Grunewald zeigt sich von der besten Seite: vom „Vorglühen“ am Freitagabend bis zum abschließenden Kuchen-Brunch am Sonntag. Während es in ganz Deutschland regnet wie aus Kübeln, strahlt in Berlin die Sonne vom blauen Himmel und sorgt im grünen, großzügigen Campus von Eichkamp für Idylle pur.

Für das seelische Wohl sorgen die alten Freunde, für das leibliche die aktuellen Eichkamper.  So holen die jungen Studenten am Freitagabend für die aus Süddeutschland durch Staus und ständige Platzregen spät angekommenen Gäste wie Hartmut und Gudrun Unger leckere Döner. Am Samstagnachmittag bauen die Studis ein abwechslungsreiches Büffet auf mit köstlichen Nachtischen als Krönung.  (1500 Euro überreicht Conny Albrecht am Ende den Studenten für die Mühe am Tag ihres Sommerfestes.) „Ich freue mich, dass uns die Jungen so offenen Herzens annehmen“,  sagt Eva-Maria Cattaneo aus Dortmund. Sie ist ohne ihren Bruder Uli gekommen, auch Alt-Eichkamper, dem „es nicht so gut geht“.

Von der Bühne des Clubhauses begrüßen die Jungen am Samstagabend die Alten. Für jene bedankt sich Axel Mühlthaler, der unermüdliche Strippenzieher der Ehemaligen. Er erinnert an die Aufbruchstimmung in den fünfziger Jahren, die die ersten Eichkamper geprägt hat, und  wünscht sich, „dass wir in einigen Jahren wieder zusammenkommen“.

Damit keine Melancholie aufkommt, stellt Eckhart Bauer seine „Duckomenta“ vor.  „Haus 2 war der Startpunkt“, sagt der einstige Popreferent (auch das gab es im fortschrittlichen Wohnheim)  und spätere Kunstprofessor aus Braunschweig.  Donald Duck wird bei dieser Kunstaktion etwa zur Mona Lisa, zur Sphinx,  zu Sisi (Achtung: ein s in der Mitte ist korrekt, ich bin Expertin), zur Dame mit dem Perlenohrring und sogar zum Ötzi. Derzeit ist die etwas andere Ausstellung in Frankreich zu sehen, bald steht Hamburg auf dem Programm. Ja, es darf gelacht werden bei den amüsanten Einfällen - und überhaupt auch im Kreis der Ehemaligen auf der Campus-Idylle mit dem Trapez in den Eichen…

Suse Weidenbach-Janositz


Am Sonntag, dem 5. Juni in nur noch kleiner Runde dann das traditionelle Gruppenfoto:



Das Programm (pdf) in einer Internetdropbox 

Ein Klick zur Acht-Minuten-Video-Impression 

Pavlos literarische Anmerkungen hier im Forum

Die Fotos von Paul Janositz als pdf-Diashow 

Die Fotos von Eckhart Bauer als pdf-Diashow
 



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