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     Die Reise der Alteichkamper/innen nach Island im Juni 2009


Die Teilnehmer

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Conrad Albrecht
Henner Bühring und Kamilla Bühring
Eva Cattaneo
Gabriele Goumas, geb. Witte
Axel Mühlthaler mit Beate Mühlthaler
Georg Nellessen mit Irene Leppert
Jochen Nitsche mit Dorothy Nitsche
Ulrich Schedl mit Karin Schedl
Ronald Schwarz
Dieter Swatek
Hartmut Unger mit Gudrun Unger 
cablnt-online.de
hennerbuehringconsult.de
eva-m.cattaneoweb.de
goumas-botenet.gr
axel.muehlthalert-online.de
hans-georg.nellessengmx.de
dorothy.nitscheorange.fr
ulrich.schedlt-online.de
ronald-schwarzt-online.de
dieterswatekonline.de
hartmutungert-online.de

Die isländischen Gastgeber

Olaf Ragnars, Olaf Peturson, Gardar Ingvarson, Petur Eirikson und Tröstur Olafson

Axels Bericht: "Lost in Iceland"

Nach der Türkeireise (2007) zu Atillas Resort Loryma in der Ägäis, der Kulturwoche Berlin (2008) ist in diesem Jahr Island an der Reihe mit fünf Eichkampern vor Ort. Für 17 zugereiste Eichkamper wurde die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Gruppe war super und für einen Teil hatte die Reise am Schluss höchste Dramatik mit gutem Ausgang.

Es beginnt am Donnerstag, dem 4. Juni 2009 mit dem Einschweben auf dem internationalen Flughafen Kevlavik. Olaf und Gardar empfangen uns mit einem großem Schild: Eichkamp. Für Jochen und Dorothee, die aus Paris kommen, wird es ein sehr langer Tag, der früh morgens um 4.00 Uhr des 5. Juni endet. Ihr Flugzeug hat Probleme über dem Ärmelkanal und muss in Gatwick notlanden. Es dauert, bis ein Ersatzflugzeug zur Verfügung steht und sie in Reykjavik am frühen Morgen in unserem Hotel Metropolitan ankommen.

Am Freitag Stadtrundfahrt und Besichtigungen in Reykjavik. Wir bekommen einen ersten Einblick im Nationalmuseum in die Geschichte Islands und einen Eindruck zur rasanten Entwicklung der Hauptstadt Islands nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere in den letzten 20 Jahren, die allerdings mit der jüngsten Finanzkrise ein abruptes Ende findet. Imponierend das Warmwasserwerk Perlan auf einer Anhöhe, über das ganz Reykjavik, eine Stadt mit 120.000 Einwohnern, mit Wärmeenergie versorgt wird. Am Abend großes Hallo mit unseren fünf Isländern beim Abendessen im Restaurant Fjalakötturin.

Am Samstag das Hafenfest in Reykjavik mit Unterhaltung den ganzen Tag über bis tief in die Nacht hinein; und es wird überhaupt nicht dunkel, eine Erscheinung in dieser Jahreszeit und auf diesem Breitengrad, an die man sich gewöhnen muss. Am Abend dann die erste „Vollversammlung“ im Hotel, auf der beschlossen wird, was wir am nächsten Tag so machen. Trotz Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, muss Kamilla unbedingt ihre Flasche Rum in Grog verwandeln und die ersten 5 Liter Rotwein im Bag-in-Box werden angestochen.

Am Sonntag die „Golden Circle Classic“-Tour mit dem Bus. Wir besichtigen das Nesjavellir Geothermal Kraftwerk, das u.a. Reykjavik, in dem mehr als ein Drittel der 320.000 Isländer leben, mit Warmwasser und Strom versorgt. Interessant, dass in dem Rohrleitungssystem auf dem Weg von 27 km, dank sehr guter Isolation, die Temperatur des Warmwassers lediglich um 1,8 °C abfällt. Weiter geht es zum Thingvellir Nationalpark, in dem die eurasische und amerikanische Erdplatte aufeinderstoßen und sich pro Jahr 2,6 cm auseinanderbewegen. Von Europa nach Amerika ist es hier nur ein Schritt. Im Althingi, dem Ort, wo 930 AD!!! das erste isländische Parlament zusammentrat, ein feurige Rede unserer temperamentvollen und singenden Reiseführerin Haftis Karlsdottir über die Wikinger und den norwegischen König. Weiter geht es zu dem gigantischen Wasserfall Gulfoss, der 1920 von Sigríður Tómasdóttir vor dem Verkauf an eine Energiegesellschaft dadurch gerettet wurde, dass sie drohte sich in den Wasserfall zu stürzen. Ihr wurde deswegen ein steinernes Denkmal gesetzt. Weiter geht es zu den heißen Quellen und Geysiren nach Stokkum und nach Haverageröl, der Stadt der Gewächshäuser und ohne Friedhof. Das Erdreich ist so warm, dass die Bestattung der Toten nicht möglich ist.

Am Montag erwandern wir Reykjavik und entspannen uns in einem öffentlichen Bad mit Wassertemperaturen bis zu 44 °C. Abends ist Chorkonzert in der neu erbauten, sehr eleganten gotischen Hallkrimskirche mit dem Kammerchor der Hochschule für Künste und der Universität Bremen unter der sehr engagierten Leiterin Friederike Woebcken.

Am Dienstag steht Whale Watching und Puffin (Papageientaucher) gucken auf dem Programm. Wir sichten 2 Buckelwale und mehrere Schweinswale (Minkies), die auch namensgerecht stinken.



Am Mittwoch steht die große Tour entlang der Südküste bis zu Europas größtem Gletscher Jökursárlón an. Wir sind 14 Stunden unterwegs, passieren einladende Dörfer, den Skaftafell Nationalpark und die Seljalandsfoss und Skógarfoss Wasserfälle und Islands größten Vulkan Havannadalsshnjúkur mit 2110 m. An der Lagune des Gletschers erwartet uns ein Amphibienfahrzeug, mit dem wir zuerst über Land fahren und dann in der Lagune schippern. Wir sehen Eisberge in den bizarrsten Formen, blau schimmernd und kristallklar bis schmutzig grau oder schwarz. Vor Jahren mündete die Gletscherzunge noch direkt in den Ozean, hat sich aber in den letzten Jahren aufgrund der Klimaveränderung mehr und mehr zurückgezogen. Auf dieser Tour, die exklusiv für unsere Gruppe stattfindet, steht uns wieder unserer temperamentvolle singende Reiseleiterin Haftis zur Verfügung und wird mit Ronald zu einem tollen Duett. Am Schluss verfasst Ronald noch ein Gedicht.



Der Donnerstag dient dann der Erholung und abends gibt es wieder Kultur. Mit dem Bus fahren wir zur blauen Lagune und suhlen uns im warmen Wasser. Für den Abend besorgt uns Tröstur Karten für ein Konzert des Isländischen Symphonieorchesters, das für uns Mozart, Beethoven, Barber, Puccini, Johann Strauss und Léhar spielt. Das Lied von Léhar, vorgetragen von der Solistin Emma Bell „Meine Lippen sie küssen so heiß“ wird zu Ronalds speziellem Ohrwurm.


Der Freitag wird dann ein besonderer Höhepunkt. Bei strahlendem Sonnenschein fliegen wir mit einer zweimotorigen Propellermaschine vom Zentralflugplatz Reykjavik auf die Vestmännerinsel. Dank der Vermittlung von Olaf Ragnars als Flieger und ehemaligem Chef des Flughafens Kevlavik erhalten wir Sonderkonditionen, so dass sich die Kosten in Grenzen halten. Nach 20-minütigem Flug landen wir auf den Vestmännern und lernen die Insel auf einer Bustour kennen. Anschließend umrunden wir die Insel mit einem Boot. Ein Vulkanausbruch 1973 hat die Insel um ¼ vergrößert und heute noch können Häuser, die von der Lava zugeschüttet wurden, besichtigt werden. Bei Vulkanausbruch wurden die 4000 Insulaner evakuiert und kein Mensch kam zu Tode. Sie sind alle wieder zurückgekehrt, sie lieben ihre Insel und sie gehen mit dem Leben auf dem Vulkan recht locker um. Daneben gibt es Millionen von Puffins, Möwen und anderen Seevögeln, die ideale Nistplätze in den steil abfallenden Felsen vorfinden.

Am Samstag unsere erste Wanderung in Esja, nördlich von Reykjavik. Wir erreichen das Ziel mit dem öffentlichen Bus und beim Aufstieg ist die Sonne uns wieder wohlgesonnen. Ein schneller Wetterumschwung mit Regen zwang uns dann zu einer vorzeitigen Umkehr. Gudrun und Beate spielen das Spiel: Wann kommt der Bus? Ronald sitzt im Wartehäuschen und schreibt Ansichtskarten, u.a. eine mit zwei schnäbelnden Puffins an seine Ula. Wahrscheinlich hat er wieder im Ohr: Meine Lippen sie küssen so heiß.

Am Sonntag Folklore. Auf dem Wikingerfest werden uns die diversen isländischen Kampftechniken und derbe Spiele vorgeführt und wir treffen unsere Haftis als Vikingerbraut. Am Nachmittag sind wir bei Olaf und seiner Frau Swana zu Hause zum Kaffee eingeladen und die Schokolade-Sahnetorte wird ratz-faz aufgegessen. Olaf gibt dann noch ein kleines Klavierkonzert. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft.



Am Montag waren schon einige abgereist und unsere Gruppe von ursprünglich 17 auf 10 Teilnehmer geschrumpft. Dieser ganz harte Kern beschließt, in dem bekannten Wandergebiet von Thórsmörk, das von 3 Gletschern umgeben ist, zu wandern. Es ist der 15. Juni und genau an diesem Tag wird das Gebiet nach Winter und Frühjahr für die Anreise mit hochbeinigen Vierrad -angetriebenen Bussen wieder zugänglich. Die Anfahrt dauert 2,5 Stunden, wir durchquerten mit dem Bus Moränen und kleine Flüsse und kommen am Ausgangsort Thórsmörk an. Henner hatte 3 Karten besorgt, wir lassen uns beraten und planen eine Wanderung von ca. 2,5 Stunden. Um 16.00 Uhr wollen wir zurück sein, weil zu diesem Zeitpunkt der Bus wieder fährt. Am Anfang läuft alles planmäßig, bis wir an einen steilen Aufstieg mit Geröll und Vulkanasche kommen. Der „Weg“ besteht aus kleinen Holzpflöcken, die an der Spitze rot angemalt sind, so ein Pflock alle 100 Meter, sonst Nichts. Dynamik erfasst die Truppe, da müssen wir durch bzw. rauf. Oben angekommen, teilweise auf allen Vieren kriechend, wird der „Weg“ nicht besser. Wir müssen einen steil abfallenden Hang überqueren derselben Konsistenz: Geröll, Lavaasche und kleine Felsen, die sich mal lösten, mal nicht. An einem kleinen Kamm ist der „vorgezeichnete Weg“ absolut nicht mehr gangbar, selbst für den sportlichen und konditionsstarken Georg. So müssen wir wieder ein stückweit absteigen, um diese Stelle zu umgehen und wir rutschen auf dem Allerwertesten nach unten. Auf Kommando, immer einer nach dem anderen, wegen des Steinschlags. Als dann noch Hartmut einen eleganten Purzelbaum hinlegt, sind wir nahe daran, die Bergwacht per Handy zu rufen. Zwischen zwei kleinen Felsen stehend, im Hintergrund der Gletscher und auf seinen Stock gestützt beäugte Henner das Ganze mit seiner Kamera und hält es für die Nachwelt fest. Letztlich schaffen wir den erneuten Aufstieg und den Weg zurück bis zur Ausgangsstation doch mit eigener Kraft. Der Grund, weshalb der Weg kein Weg mehr war: Im Winter oder Frühjahr sind großflächige Platten an den Hängen abgerutscht und der Weg wurde vom Geröll und der Asche weggefegt. Offensichtlich hatte das am 15. Juni noch niemand bemerkt und wir waren die „Pioniere“. Aus den ursprünglich geplanten 2,5 Stunden werden 5 Stunden. Der Bus ist weg und wir müssen eine Bleibe für die Nacht finden. Die ganze Sache bekommt noch dadurch einen weiteren Kick, dass Henners und Kamillas Flugzeug am Nachmittag des nächsten Tages startet. Vor Ort gibt es kleine Hütten mit 4 Stockbetten zu mieten und es wurde ein Frauen- und ein Männerhaus eingerichtet. Die überaus freundlichen Menschen der Gaststätte kochen uns ein ausgezeichnetes Abendessen, unsere Heldentaten bieten sehr viel Gesprächsstoff und als dann der Wein, der in 186 ml-Fläschchen verkauft wird, ausgeht, fallen wir in unsere Betten und schlafen sehr gut.
Am Morgen des Dienstags mit dem Bus wieder zurück nach Reykjavik, wo uns Olaf abholt und dafür sorgte, dass Henner und Kamilla noch rechtzeitig zu ihrem Flieger kommen. Wir müssen uns erholen und das Geschehene aufarbeiten.

Am Mittwoch unser letzter Tag. Es ist der Nationalfeiertag der Isländer. Und wieder haben wir strahlenden Sonnenschein. Zur Eröffnung findet ein Gottesdienst in der Domkirche statt und danach Auszug aller Diplomaten und sonstiger Würdenträger auf den offenen Platz mit Reden, Musik und Chor. Wir fragen uns, was so viele Diplomaten in einem so kleinen Land das ganze Jahr über zu tun haben. Das Stadtzentrum ist an diesem Tag abgesperrt. Überall Veranstaltungen, Aufführungen und Volksbelustigungen. Manche Männer im feinsten Zwirn wie Frack und viele Frauen in der Landestracht. Man bekommt den Eindruck, dass alle Isländer an diesem Tag in ihrer Hauptstadt versammelt sind. Und überall viel Jugend, Kinder, Babys im Kinderwagen und hübsche Isländerinnen, die sich angeblich mehr auf das Kinderkriegen konzentrieren, als aufs Heiraten. Wir lassen uns treiben und der eine oder andere nutzt den Tag für den Besuch eines der vielen Museen, der an diesem Tag kostenlos ist. Besonders erwähnenswert das Arbaersafn Freilandmuseum und eine Fotoausstellung im Nationalmuseum über Kinderarbeit beim Fischfang und in den Fischfabriken vor nicht einmal 60 Jahren. Aus den Augen der 6jährigen Jungen leuchtet der Stolz an der Seite des Vaters auf dem Trawler „seinen Mann zu stehen“ auf der anderen Seite empfinden wir Mitleid darüber, wie diesen Kindern ihre Kindheit geraubt wurde. Im Kontrast dazu, wie sich in dieser kurzen Zeitspanne die Zeiten geändert haben und wie liebevoll die Isländer heute mit ihren Kindern umgehen. Besonders erwähnenswert auch die ausgesuchte Höflichkeit der Autofahrer. Man hat den Eindruck, dass alle Straßen mit imaginären Zebrastreifen bemalt sind und immer dann, wenn sich ein Zweibeiner nähert, der Verkehr stockt. Hat allerdings den Nachteil, dass am Straßenrand stehende, über den weiteren Wegverlauf diskutierende und in den Stadtplan schauende Touristen einen Verkehrsstau auslösen.

An diesem letzten Tag noch ein gemeinsames Abendessen im sehr guten und preiswerten Restaurant Sólon, ein Miniabsacker im Hotel und 14 Tage Island gehen zu Ende. Wir müssen früh ins Bett (Durchmachen, das war einmal), denn um 4.50 Uhr kommt der Bus, um uns am Hotel abzuholen und zum Flieger zu bringen.

Wenn es schön war, dann stellt sich unwillkürlich die Frage: Wann und wo wieder? So auch bei uns. Vorgeschlagen wurden: Griechenland oder Istanbul (Weltkulturhaupstadt 2010). Wir werden sehen.


Axel Mühlthaler


Ronalds Tagesgedicht auch für unsere Reisebegleiterin Hafdis  
Die Diashow von Eva Cattaneo steht bei Picasa  
Die Bilder von Hartmut und Gudrun Unger finden sich auch bei Picasa  
Die Island-Fotos von Ronald Schwarz  
Die Island-Fotos von Conrad Albrecht  

Kaffee und Kuchen bei Olaf Ragnars zu Hause - seine Bilder  

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