Die Reise nach Griechenland Mai/Juni 2010
Die Teilnehmer im Uhrzeigersinn (Email-Adressen geschützt):
Kostas und immer wieder griechischer Salat
Der Clou ist Konstantin, kurz Kostas. Der Athener mit dem Strohhut und
den schicken Leinenhosen ist der ideale Reiseführer für die
Eichkamper: gescheit, belesen, geduldig, ironie- und sprachbegabt und
verdammt lustig. Stets einen flotten Spruch auf den Lippen, sorgt er
dafür, dass die Stationen des randvollen Programms unterscheidbar
bleiben. Klassische Antike kompakt – das ist kein Honigschlecken.
Aber Kostas hat sie versüßt mit vielen netten Stories.
Kleine Geschichten machen die große Geschichte erlebbar; auch
wenn es nur noch Ruinen sind, die mal so, mal anders rumstehen in
schönen Landschaften.
Ja, und so nebenbei haben die Eichkamper viel über die Hellenen
erfahren, nicht nur über die antiken. Die aktuellen Griechen sind
uns ja so nahe gerückt, vor allem seit Europa, die Welt und der
Euro in der Krise stecken. Kostas selbst ist ein Beispiel: Mit 56 als
Archäologe in Staatsdiensten pensioniert, kann er nach
einjähriger Sperrfrist wieder als Guide arbeiten, was er vorher
nebenbei gemacht hat. Doch bei allem Unverständnis der Deutschen
für „griechischen Schlendrian“: Wir sollten nicht
vergessen, wie viele Staatsdiener, besonders im Lehramt, bei uns
frühpensioniert wurden, bevor ihnen wie anderen
Ruhegeldempfängern die Bezüge gekürzt wurden…
Kostas jedenfalls hat die liebenswerten Eigenheiten seiner Landsleute
ebenso humorvoll geschildert wie er ihre negativen Seiten schonungslos
offenbart hat. Ironie und Selbstironie liegen oft nah beieinander: Der
Deutsche, dem kein Meer zu kalt ist, um nicht weit hinauszuschwimmen
(Leistung, Leistung!!), und der Grieche, der nur platsch, platsch
macht, immer in Ufernähe und nur wenn das Wasser schön warm
ist (Keine unnötige Überanstrengung!).
„Die Grieche, die spinnen.“ Wie oft haben wir diese
Erkenntnis Kostas’ zu hören gekriegt. Mit Studium in
Frankreich und einem in Stuttgart akademisch ausgebildeten Bruder hat
unser Guide die nötigen Voraussetzungen, uns Nordeuropäer zu
verstehen und die Unterschiede zur südlichen Eurozone
rüberzubringen. Unvergesslich seine launige Schilderung des
typischen Skiurlaubs der Einheimischen auf dem Peloponnes: Im
topmodischen Schneeanzug mit dem Lift hinauffahren, ein Foto für
die Lieben daheim machen, übergangslos zum Après-Ski in die
Hütte wechseln und nach ein paar Stündchen mit dem Lift
wieder runterfahren…
Athen und Kap Sounion, Korinth und Mykene, Epidaurus und Nauplia,
Sparta und Mistras, Olympia und Delphi, Götter und ihre Tempel,
Kaiser und ihre Residenzen – Kostas hat uns die glanzvollen
Höhepunkte der antiken Welt ebenso nahe gebracht wie den
Absturz so manches stolzen Hellenen.
Und er hat für unser leibliches Wohl gesorgt: für die
altersgemäßen Pinkelpausen, für das richtige Essen zur
richtigen Zeit, für den günstigen Landwein und dann und wann
für einen Ouzo. Wir sind leidenschaftliche Anhänger des
griechischen Salats zur Mittagszeit geworden (der hier im Gegensatz zum
deutschen Griechen nicht „Bauernsalat“ heißt),
genießen heißen Schafskäse, leckere Spieße und
Joghurt mit Honig oder Rosenmarmelade und vor allem frischen Fisch,
verschieden zubereitet. Die Tavernen sind urig, manchmal sitzen wir
Auge in Auge mit den Fischen im Meer, manchmal hoch oben am Berg. Die
Stimmung ist gut, die Gruppe bleibt auch außerhalb des gebuchten
Programms beieinander, trifft sich am Abend in der Taverne. Zwei
Geburtstage beginnen mit Ständchen zum Frühstück und
werden später mit Ouzo begossen. Das Wetter ist super.
Axel Mühlthaler hat mit Gebeko den richtigen Veranstalter und das
richtige Programm ausgesucht (danke noch mal, bei dieser Gelegenheit).
Die Hotels sind gut. Der Ausflug auch in die jüngere,
deprimierende deutsch-griechische Geschichte auf dem Peloponnes ist
beeindruckend. Dabei lernen wir auch die Natur der großen
Halbinsel außerhalb der antiken Stätten kennen, steile
Täler im Gebirge mit der Nostalgie-Bahn, eine riesige
Tropfsteinhöhle, eine Schwarzpulvermühle, eine Rosenzucht und
eine bäuerliche Joghurtproduktion.
Wir erfahren, dass Agia Lavra nicht Athos ist: Während das
legendäre Männerkloster aus allen Nähten platzt, seit es
auch Rückzugsort für gestresste Manager ist, haben die
ländlichen Klöster Nachwuchssorgen. Zwei bis drei Mönche
leben heute nur noch in Mega Spileon. Das in den Felsen gebaute Kloster
hat eine traurige Vergangenheit. Ende 1944 stießen deutsche
Soldaten die Klosterbrüder vom Felsen in den Tod, weil sie
den Partisanen Unterschlupf gewährten. Das Kloster wurde
angezündet und zerstört. Der Nachkriegsbau ist schmucklos.
Ronald Schwarz hat die Reise chronologisch in Verse gesetzt. Hier sei
noch erwähnt, dass nicht nur Hartmut gleich zum Auftakt in Athen
bestohlen wurde. Axel und Paul wurden bei der Abreise in der U-Bahn von
Kriminellen übel bedrängt. Axel büßte dabei 90
Euro ein. Sei’s drum. Die unliebsame Begegnung mit dem
Krisen-Athen von 2010 konnte die Freude an der Reise nicht trüben.
Jássas Hellenen, jássou Kostas!
Suse Weidenbach-Janositz

Das Reisegedicht von Ronald Schwarz (pdf-Format) 
Die nahezu 200 Fotos von Paul Janositz 
Die Diashow von Gudrun Unger bei Picasa 
Die Fotos von Ronald Schwarz 
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